Vorwort

Seit November 2007 schickt der Sender Freies Neukölln charmant-gehässig-ernsthafte Filmchen in die Welt, die aufzeigen sollten und sollen, dass es dringend geboten ist, sich von unserem derzeitigen “System” zu verabschieden und zweifelnd und radikal zu betrachten, was uns so leicht als “das Bestmögliche” oder “alternativlos” erscheint.

Fassungslos, wütend und mit mehr Galgenhumor als Witz verfolgten wir in den letzten Jahren das Weltgeschehen, einigermaßen verzweifelt ob der Ignoranz und Beharrlichkeit all derer, die glaubten und immer noch glauben, dass das alles immer so weitergehen könne. Wachstum, Fortschritt, keine Alternative.

Rund um diesen Zweifel produzierten wir ohne weiteres Konzept verschiedenste Formate: Kurzfilme, Kolumnen, Webserien (Sendernovelas), kleine Reportagen, krude Animationsfilmchen.

Im Mai dann reisten wir nach Spanien, um von dort von der sogenannten Spanishrevolution zu berichten; und wir waren begeistert, beeindruckt und sehr schnell infiziert. Die weltweiten Geschehnisse um diese junge Demokratiebewegung seitdem sind atemberaubend, allüberall keimt so etwas wie Hoffnung auf. Klar zeigt sich, dass die Menschen in den einzelnen Ländern nicht politikverdrossen sind, wie bislang allgemein der Einfachkeit halber angenommen, sondern schlicht nicht mehr sehen, wie sie sich in den verkommenen “Demokratien” einbringen sollen, wo Partei- und Funtionärsapparate die Mittel der Partizipation verstellen und sabotieren, wo Politik nur noch bedeutet, Finanzmärkten hinterher zu hecheln und hektisch das Gröbste zu retten.

Die Filme aus Spanien wurden für den SFN also zu einer großen Zäsur. Aus der gehässigen Systemkritik konnte nun endlich eine fröhliche Begleitung einer wirklich revolutionären Bewegung werden. Basisdemokratie, was denn sonst!? Wie denn sonst können all die drängenden Fragen zum Wohle aller beantwortet werden!? Wie denn sonst, wenn nicht mit Beteiligung aller, wollen wir eine Zukunft gestalten, die natürlich nicht aus einem ewigen “weiter so” bestehen kann?

Und wer soll denn die Patentrezepte finden, wenn nicht wir alle? Verabschieden wir uns von den -ismen und den verklemmten Schubladen, machen wir uns endlich auf ein freies, freies und nochmal freies Leben zu leben!

Wir berichten darüber, wie es weiter geht, wir machen Filme über das, was uns so einfällt – auf diese Weise ist in den letzten Jahren sozusagen unser ganz persönliches Tagebuch aus vorrevolutionären Zeiten entstanden. Zu Anfang monatlich, jeweils Kolumnen, Kurzfilme, Serien und Moderation in Ausgaben von 30 – 45 Minuten zusammengefasst, danach von Dezember 2009 bis Mai 2010 gab es gar wöchentliche Ausgaben. Diese Ausgaben sind allesamt in sog. international-broken English produziert.

Gleichzeitig entstand im Senderumfeld der Creative-Commons Spielfilm EXODOS.

Nun werden wir sehen, wohin uns der neue Aufbruch führt. Hoffentlich in eine wahre, wirkliche, tatsächliche, echte Demokratie.

Und wie immer gilt hier:

Sämtliche Beiträge sind nicht zusammen-verlinkt, sondern eigens und selbst professionell produziert von Retsina-Film; verantwortlich sind immer Antje Borchardt und Matthias Merkle, aber natürlich wären wir ziemlich wenig ohne unsere Mitstreiter, Schauspieler, Musiker, Tontechniker, Kameraleute und so weiter …

Wer uns kontaktieren möchte, schreibt an: info@sender-fn.de

Let there be Zweifel!