#21NO – Radikalität, Schwarm & Kleist

So haben wir das mit unserem Videoblog “Sender Freies Neukölln” immer gemacht: Wir haben gedreht, was wir wollten, ohne Rücksicht auf irgendwelche Erwartungen der marktwirtschaftlichen Filmwelt, und die Ergebnisse per creative-commons-Lizenz kompromisslos in die Welt, in den Schwarm geworfen.
Mit der Sender-Reise zu den spanischen Camps, der Dokumentation und Auswertung “Inspiring Example” und dem Beginn der Berliner acampada-Bewegung Anfang Juni auf dem Alexanderplatz hat diese Arbeit noch einen anderen Anschluss gefunden: Unsere Filme und wir sind begeistert Teil der Bewegung geworden und begleiten sie dokumentarisch-essayistisch unheimlich gern.

Der verschwenderische Impuls, Kreativität walten und sich verbreiten zu lassen, ohne sie durch ökonomisch schielende Flaschenhälse zu verformen, besitzt das Potential, einen neuen Kulturbegriff mitzugestalten – das mag im Licht der weltweiten “Global-Change”-Bewegung noch deutlicher werden; vielleicht ist mit ihr auch einfach ein gedeihlicheres Klima dafür geschaffen.
Denn ja: diese Auf- und Einstellung ist radikal. Wenn Kreativität, individuelle, subjektive Kunst als eben solche uneingeschränkt dem Schwarm der individuellen Anderen hingegeben wird, absichtslos, doch kompromisslos, erst dann kann und mag sich ihre Kraft in diesem Schwarm entfalten, im Schwarm der vielen unverformten Individualitäten, die sich nicht als Masse gleichmachen und schwächen lassen, sich nicht auf eine Erwartung festlegen, sondern Ideen frei entwickeln – wohin auch immer.

Der Sender FN will genau das: wieder und immer noch seine special-interest-merkwürdig-geilen-publikums-verführenden Filme machen, zu allen Themen, die uns besonders bewegen, aber mit dem warmen, schönen Gefühl, dass man dafür nicht beargtwöhnt wird in einer mainstreamigen, ehrgeizigen Filmlandschaft, sondern als Teil des Schwarms, wo jeder lustvoll-verschwenderisch das, was er am liebsten macht und am besten kann, einfach hergibt, in den Pool wirft zur freien, geneigten Verfügung aller im Sinne dessen, was wir gemeinsam erreichen wollen.

Deshalb genau jetzt (und sowieso immer wieder): KLEIST. Der nie davon absehen konnte, sein Innerstes in aller Radikalität und unverfälscht nach außen zu schleudern, der seine Küsse und Bisse nicht salontauglich ebnen konnte, der keinem Sinn für seine überschäumende, eigenwillige Kreativität begegnete, und der sich am 21.11.1811 am Kleinen Wannsee erschoss.

Unser jüngstes Werk ist eine Einladung und eine Herausforderung, erzählend von einem, der sich schon vor über 200 Jahren mit seinem genialen Kopf und seinem wilden Herzen in der Gesellschaft nicht aufgehoben finden konnte – und der damals keinen Schwarm fand.

Wir sind sehr froh, dort zu sein, von wo aus es losgehen kann!
Spread it, share it, like it – hurra, Schwarm! Occupy Kleist, too, if you like. He’s one of us, for sure.

Retsina-Film und Sender Freies Neukölln zeigen:
#21NO
Stefan Zweigs “Der Kampf mit dem Dämon” / Heinrich von Kleist
Ein Spielfilm von Matthias Merkle
mit Melanie Seeland

Pünktlich zu everybody’s darlings 200. Todestag und als glanzvollen Abschluss des sogenannten “Kleistjahres” zeigen wir eine Art Arthouse-Verfilmung von Stefan Zweigs “Der Kampf mit dem Dämon”.

Der Versuch, sich Zweigs Text filmisch hemmungslos anzuvertrauen und dabei Kleist zu finden – und dem “Bildnislosen” Bilder, zwei Bilder eines Gesichts und einen Ausblick zu geben: very scenic!

#21NO
Premiere: So. 20.11.2011, 21.00 Uhr
Freies Neukölln, Pannierstr. 54, D-12047 Berlin
Reinfeiern ins Rausfeiern! Eintritt frei.

Und ab 21.11.2011 per cc-Lizenz hier.

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