Volksverdrossenheit

Gehen wir einmal davon aus, dass unsere Bundeskanzlerin gar nicht so blöd ist, wie sie aus****, äh, wie sie hin und wieder erscheint.

Versuchen wir einfach uns vorzustellen, dass sie, intellektuell auf der Höhe ihrer Ausbildung und Erfahrung, Zusammenhänge begreifen, verarbeiten und einschätzen kann.

Dass sie sich bspw. als promovierte Physikerin mit Kerntechnologie besser auskennt als alle ihre Kollegen, dass sie die Gefahren abschätzen kann, und dass für sie so ein geschmackloser Begriff wie „Restrisiko“ mehr bedeutet als eine eigentlich unmögliche Möglichkeit für das eh nicht Mögliche.

Als nüchtern kalkulierende Wissenschaftlerin war sie seit ihrer Zeit als Umweltministerin unter Helmut Kohl eine standfeste Verfechterin der Energiegewinnung aus dieser unendlich hirnrissigen, größenwahnsinnigen und niemals beherrschbaren Technologie.

Nun versucht sie, ganz kurz und knapp vor dem für sie so entscheidenden Wahlwochenende, das Ruder rumzureißen, weil sie glaubt, dass die Stimmung in der Bevölkerung durch das grausame Unglück auf der anderen Seite des Erdballs gekippt ist.

Und selbst wenn wir ihr äußerst gutgläubig glauben wollten, dass sie nach Erhalt der Nachrichten aus Japan und dort Fukushima im Tiefsten ihres Inneren schockiert war, und dass dieser heilsame Schock sie zu diesem sogenannten Moratorium bewog und nicht wahlkampftechnische Gesichtspunkte, selbst dann müssen wir uns über ihre Gesamtarroganz gegenüber ihrem Wahlvolk wundern.

Was geht da vor sich? Was denken sich ihre Beraterteams da, was denkt sich die Kanzlerin selbst? Wofür hält die da ihre Bürger, die sie so gerne „die Menschen“ nennt!?

Selbiges fragt man sich bei der peinlichen Rumhampelei in Sachen Militäreinsatz in Libyen. Oder bei der schlampigen Einführung von E10.

Geht sie – eingedenk Schröders Wiederwahl dank des lauten Neins zum Irakkrieg – davon aus, dass ihr Wahlvolk Kriegseinsätze immer ablehnt? Dass sowieso alle Ökos sind und man sich da zur Einführung eines neues Sprits keine Gedanken machen muss?

Okay, das Wahlvolk ist schwer einzuschätzen dieser Tage. Vor allem Stimmungen bestimmen das Gesamtklima. Eine nicht wirklich einleuchtende Sympathie für Vuzg scheint jedes Gefühl für sowas wie einen Rechtsstaat auszuhebeln. Auf der einen Seite scharen sich Massen hinter einen Lügner und Betrüger, auf der anderen Seite formiert sich enormer Widerstand. Schnell geht das alles, das Netz macht‘s möglich.

Andererseits wurde sie vor nicht allzu langer Zeit gewählt, trotz ihres teuflischen Versprechens an die Atomwirtschaft. Gewählt wurde auch die baden-württembergische Landesregierung, obwohl Stuttgart 21 schon längst beschlossene Sache war.

Das ist alles nicht unbedingt nachvollziehbar, aber auch noch lange kein Grund, dem Volk mit so einer Verachtung zu begegnen, wie es jetzt geschieht, auch wenn die Trauer um den Eisbären Knut kurz größer scheint als die um verstrahlte oder verschüttete Japaner.

Aber blöd ist das Volk trotzdem nicht, jedenfalls nicht so. Immerhin glauben die meisten an unsere sogenannte Demokratie, die eh nur ein kümmerlicher Parlamentarismus ist.

Aber Volksvertreter dürfen Meinungen vertreten, auch vehement und bitte schön mit sowas wie einer Vision verknüpft. In was für einem Land wollen wir leben? – Das fragt sich fast jede Werbekampagne, aber nicht unsere Politiker?

Schon die massiven Maßnahmen gegen die Proteste rund um den Castortransport Ende 2010 wirkten eher wie einem „Ausnahmezustand“ abgerungen denn wie demokratische Gepflogenheit. Der Staat schützt sich vor dem Bürger, der Wähler ist der Feind.

Vergessen ist schon längst, dass Positionen bezogen werden müssen, um zu regieren, dass Beschlüsse ausgefochten werden sollten, um Bestand haben zu können.

Seit Jahren ist Merkel es gewohnt, die Position ihrer Regierung nur nach dem auszurichten, was Presse, Meinungs- und Marktforschung sowie andere Interessenverbände als Stimmung im Volke auszumachen glauben.

Das ist zynisch, politik- und volksverachtend, lädt zu Missbrauch und Manipulation ein und fördert nur stumpfe Politikerpersönlichkeiten wie Norbert Röttgen. Der an Dummheit kaum zu übertreffende Umweltminister, potentielle Ministerpräsident, Kanzleranwärter und was auch immer er sonst noch in sich sieht, ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Parteipolitiker ihre Ämter und Pflichten für ihr eigenes Machtbedürfnis missbrauchen.

Von Tuten und Blasen keine Ahnung, aber schamlos für jedes höhere Amt bereit. Entschuldigung, aber so geht‘s nicht. Das Parteiensystem mit seinem Karriereprinzip hat unsere Demokratie samt deren Demokraten ausgehöhlt, Zeit für was Neues.

Ein Gedanke zu “Volksverdrossenheit

  1. „Diese Landtagswahl ist in Japan entschieden worden. Das konnten wir nicht mehr aufholen.“
    Zitat von Herrn Strobl, Generalsekretär der CDU Baden-Würrtemberg.
    Tja, was soll man sagen, danke Japaner!