Fury Uschi

Uschi is bored about this gentrification topic. She cannot hear it any longer.

But Uschi notices herself, that this attitude does not help. Because it’s a pop-market-position, to be bored, when you have heared something more then twice. That’s the issue of this little movie, see what Uschi becomes to!

And see the first and last Latte Machiato at Freies Neukölln!

(International Broken English with German subtitles)

Immer öfter lesen wir Sätze wie “Ich kann das nicht mehr hören” in Blogs und deren Kommentarspalten. Jedes Thema wird durch die neue und alte Medienwelt durchgezerrt, und ganz, ganz schnell wird es den meisten auch schon wieder langweilig damit. Dann muss die nächste Sau durchs Dorf gejagt werden.

Dahinter steckt ein prima Trick der Marktwirtschaft: Themen, die die Gesellschaft wirklich angehen, werden für kurze Zeit als hip und trendy vermarktet, selbstverständlich auch Themen, die unsere Wirtschaftsordnung im Mark erschüttern sollten. Aber ein Trend hält nicht lange an, und so schafft es der Markt selbst kritische Entwicklungen für sich nutzbar zu machen, weil ein Modethema nicht ausreichend Unruhe stiftet, aber kurzfristig für Interesse sorgen kann. Sobald so etwas wie tatsächliche Bürgerproteste entstehen, wird das Thema gleichzeitig wieder von den Titelseiten genommen. Die ersten rufen den ordentlichen Bürger schon wieder zur Ruhe, bevor man überhaupt damit beginnen konnte wirklich unruhig zu werden, das ganze wird runtergespielt, klein geredet, am Ende verurteilt und kriminalisiert. Und dann gibt es irgendwo anders schon wieder einen neuen Krisenherd, einen neuen Lebensmittelskandal oder Neues von He- und She-Vuzg. Und so kommen sie am Ende alle durch, all diejenigen, die Besitzstände zu wahren haben. Weil bald schon werden wir auch nichts mehr von Dioxin hören wollen, oder von Twitterrevolutionen, oder von gesetzlichen Frauenquoten. Und Gentrification mögen wir am Ende doch sowieso alle.

Die Pragmatiker sind es, die sich dann, wenn die erste Welle der Empörung abgeebbt ist, zu Wort melden, wobei Pragmatismus nichts als ein Deckmäntelchen der Feigheit (diesen Link zu setzen fiel unendlich schwer, ich hab es aber trotzdem getan) ist. Der Feigheit vor dem tatsächlichen Wandel. Alles darf immer ein bisschen anders werden, aber eben nur ein bisschen, und eben eigentlich gar nicht. Ein bisschen Protestkultur, aber mit dem Wort des Jahres ist dann auch genug protestiert. Ein bisschen Veränderung ist immer schön, siehe Gentrification. Ein bisschen WikiLeaks, aber immer schön vorsichtig sein, und She-Vuzg kommt zwar komisch rüber, aber irgendwie ist ihr Engagement doch toll.

Was soll das alles, wen wir nicht mal an etwas dranbleiben? Wenn wir uns vom Markt der Aufgeregtheiten vor uns hertreiben lassen? Wenn wir alle immer die guten, besonnenen Bürger mimen, wo es alles andere als Grund zur Besonnenheit gibt?

Nur weil ein paar Leute Angst haben vor denen, die wütend sind? Weil Wut nur cool ist, wenn sie rechtzeitig wieder aufhört und in einem lustigen Gag mündet?

Wut und Zweifel sollten dafür sorgen, dass uns Herzensanliegen niemals langweilig werden können, dranbleiben, heißt dem Markt ein Schnippchen zu schlagen. Wut und Zweifel sind die Kräfte, die uns voran bringen, sie sind kein Makel.

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